Urs Löhnert

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29. April 2021

Holakratie im Härtetest: Wenn Corona zuschlägt

Eine emotionale Einschätzung

3 Monate lang bangten wir um unseren Lead Link vom obersten Unternehmens Kreis, vormals unser CEO.

Für viele ist Covid eine mühsame, nicht enden wollende Zeiterscheinung, für ihn ging es ums Leben. Als hätte er eine Vorahnung gehabt, hat er bei Nexplore die holakratische Organisationsveränderung vorangetrieben. Er wollte ersetzbar werden, den Druck auf seinen Schultern reduzieren und mehr Personen in die Mitverantwortung nehmen. Dann kam Covid und wir wurden gezwungen, seine Last zu übernehmen.

Und die Holakratie hat den ersten Härtetest bestanden. Wir suchten keinen Ersatz für den krankheitshalber ausgefallenen CEO. Es kam zu keinen Hahnenkämpfen. Die offenen Aufgaben und Rollen wurden einfach verteilt.  Viele Mitarbeitende zeigten spontan Unterstützungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein.

So weit, so gut.

Ein Lücke blieb trotzdem: man kann Aufgaben verteilen, Verantwortung delegieren. Einen Menschen, der Fürsorge zeigte und unglaublich viel Empathie hat, kann man aber nicht ersetzen. Er investierte viel Energie und Zeit in die Firma und lebte Menschlichkeit und Herzlichkeit gegenüber den Mitarbeitenden. Eigentlich wussten wir alle, dass es zu viel war.

Holakratie hat uns geholfen, dass die Firma auch in einer menschlich schwierigen Situation operativ reibungslos weiter funktionieren kann. Leadership hingegen lässt sich ungleich schwieriger ersetzen und eine bodenständige, menschliche Art erst recht nicht.

Nun ist er endlich auf dem Weg der Besserung, braucht noch viel Zeit, die wir ihm sehr gerne geben. Das ist das Mindeste, was wir ihm zurückgeben können. Wenn er dann wieder bereit ist, kann er diejenigen Rollen wieder annehmen, die er möchte. Die Integration wird durch Holakratie stark erleichtert. Das Wichtigste aber ist, dass er als Mensch und Vorbild wieder da ist.