MAI besteht aus mehreren KI-Programmen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen: Eines schreibt und prüft Programmcode, eines erstellt und bearbeitet Bilder, eines wandelt gesprochene Sprache in Text um, eines erzeugt selbst gesprochene Sprache.
Das wichtigste Programm der Familie soll komplexere Aufgaben lösen können, bei denen mehrere Schritte durchdacht werden müssen, etwa bei Programmieraufgaben oder mathematischen Problemen. Vereinfacht gesagt: Statt einfach die wahrscheinlichste nächste Antwort auszugeben, arbeitet es Probleme Schritt für Schritt durch, bevor es ein Ergebnis liefert. Microsoft betont, dass dieses Programm komplett selbst entwickelt wurde, ohne auf Technologie anderer Anbieter aufzubauen.
Spannender als die einzelnen Programme ist ein neuer Ansatz, den Microsoft «Frontier Tuning» nennt. Die Idee dahinter: Eine KI schaut einem Unternehmen bei der Arbeit zu, zum Beispiel wie eine Excel-Tabelle typischerweise ausgefüllt wird, und passt sich an diese konkreten Abläufe an. Die KI wird also nicht einfach eingekauft und eingesetzt, sondern lernt die Arbeitsweise des jeweiligen Unternehmens.
Microsoft nennt dazu ein Beispiel: Eine auf Excel-Aufgaben zugeschnittene Version soll ähnlich gut arbeiten wie ein deutlich grösseres KI-Programm der Konkurrenz, dabei aber bis zu zehnmal weniger Rechenleistung benötigen. In einem Projekt mit der Beratungsfirma McKinsey erzielte eine entsprechend angepasste Version zudem die beste Bewertung durch Nutzerinnen und Nutzer, bei gleichzeitig tieferen Kosten.

Wissen wir, welches KI-Programm aktuell hinter unseren Microsoft-Anwendungen läuft?
Wo landen unsere Daten, wenn eine KI von unseren Arbeitsabläufen lernt?
Und wie abhängig wollen wir als Unternehmen von einem einzelnen grossen Anbieter sein?
Im Alltag ändert sich für die meisten Firmen zunächst wenig: Copilot in Excel oder Outlook funktioniert weiterhin gleich, im Hintergrund läuft aber zunehmend ein von Microsoft selbst entwickeltes Programm statt eines von OpenAI. Wirtschaftlich ist das trotzdem relevant. Jede KI-Anfrage kostet Geld: pro Anfrage, pro Auswertung, pro automatisiertem Arbeitsschritt. Microsoft kann diese Kosten senken, weil der Konzern eigene Programme entwickelt und günstige Aufgaben intern erledigen kann. Die meisten Unternehmen haben diese Möglichkeit nicht und bleiben von den Preisen und Entscheidungen ihrer Anbieter abhängig.
Für die eigene Digitalisierungsstrategie heisst das: Wer sich stark auf einen einzigen Anbieter verlässt, sollte solche Veränderungen im Hintergrund im Auge behalten. Ein Wechsel des zugrunde liegenden KI-Programms kann Verhalten, Kosten und den Umgang mit Daten verändern, ohne dass sich an der Oberfläche etwas sichtbar tut. Wichtige Fragen für Verantwortliche: Wissen wir, welches KI-Programm aktuell hinter unseren Microsoft-Anwendungen läuft? Wo landen unsere Daten, wenn eine KI von unseren Arbeitsabläufen lernt? Und wie abhängig wollen wir als Unternehmen von einem einzelnen grossen Anbieter sein?
Bei aller technischen Neuerung zeigt sich einmal mehr: Eine KI-Strategie ist keine rein technische Entscheidung, sondern eine unternehmerische. Wer neue Programme, mehr Automatisierung und tiefere Kosten will, muss auch klären, wie Mitarbeitende mit diesen Werkzeugen arbeiten, welche Aufgaben sich wirklich für Automatisierung eignen und wo der Mensch die Kontrolle behalten soll. Genau hier setzen wir bei Nexplore an: Digitale Zukunft, menschlich gestaltet. Das gilt auch dann, wenn sich die Technologie im Hintergrund gerade neu sortiert.
Der Vorstoss von Microsoft ist ein weiteres Signal, dass sich der KI-Markt schnell und grundlegend verändert. Für Unternehmen lohnt sich deshalb weniger die Frage, welches Programm aktuell führend ist, sondern wie sie ihre eigene KI-Strategie so gestalten, dass sie unabhängig vom nächsten Anbieterwechsel tragfähig bleibt.