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20. Juni 2019 / Iswara Ramaswami

«Dezentral heisst nicht ohne Zentrale»

Wir berichten über einen Artikel, der heute am Do, 20.06.2019 in der Berner Zeitung veröffentlicht wurde. Als eine mühsame PDF-Version zum Runterladen Ihnen zur Verfügung zu stellen, haben wir Ihnen den Artikel hier rausgeschrieben.

Thun Das Thuner Software-Unternehmen Nexplore hilft Firmen, den Weg ins digitale Zeitalter zu finden. Zentrales Element ist das dezentrale Arbeiten. Aber nicht die Abschaffung der Zentrale.

Das Gebäude, in dem die Nexplore AG in der C.-F.-L.-Lohner-Strasse in Thun eingemietet ist, strahlt alles andere aus als Innovation; gebaut wohl in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, mit eingemieteten Firmen unterschiedlichster Couleur und von Hand aufgeklebten Firmennamen am Eingang und im Aufzug.

Wer im dritten Stock aus diesem steigt und die Tür gegenüber durchschreitet, landet aber in einer sprichwörtlich anderen Welt: Stolpert man nicht über das Schlagzeug, das hinter der Tür steht, fällt der Blick sofort auf Bar, Stehtische und Hocker in zeitgemässem Holz-Metall- Design – und Wände, die wahlweise bekritzelt oder über und über mit bunten Post-it-Zetteln beklebt sind. Es ist das Reich der Nexplore AG und ihrer aktuell 70 Angestellten, inklusive fünf Lernender.

Auftrag der Telecom

Bereits vor der Firmengründung befassten sich die späteren Gründer mit neuen Technologien, die es ermöglichten, aus der Ferne auf Daten, Dokumente und Systeme zuzugreifen. «Wir hatten damals keine Ahnung, in welche Richtung es genau gehen würde, aber wir waren überzeugt, dass die Internettechnologie Grosses ermöglichen würde», erinnert sich Mitbegründer Christoph Fankhauser.
Mitte der 1990er-Jahre startete der Siegeszug des World Wide Web, und nach der Gründung im Jahr 1999 konnte die junge Firma Kunden wie die damalige Telecom, die heutige Swisscom, die Bundesverwaltung und die SRG für sich gewinnen. Aufgaben, die gestellt wurden: Infos und Dokumente, die vorher mühsam erarbeitet, gedruckt und in alle Landesteile ausgeliefert wurden, sollten zentral abgelegt, aber von möglichst vielen Standorten betrachtet oder bearbeitet werden können.

Mittlerweile sind 20 Jahre vergangen, und aus der Gruppe von Tüftlern hat sich eine Firma entwickelt, die in ihrer Art auf dem Platz Thun einzigartig ist und sich auch im Kanton oder schweizweit auf Augenhöhe mit den Besten bewegt. Zentrales Anliegen sei, so sagt der Operative Leiter (COO) Christoph Fankhauser, Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten. «Manche Fragestellungen sind vielerorts gleich und ähnlich, oft braucht es aber eben individuelle Lösungen, die speziell auf ein Unternehmen zugeschnitten sind.»

Dass die Nexplore AG das kann, daran glauben unter anderem Unternehmen wie Swiss, Migros, Post, BKW, aber auch die Kantons- und Bundesverwaltung. «Eine der grössten Herausforderungen», sagt der Technische Leiter (CTO), Stefan von Niederhäusern, «ist das Zusammenstellen der richtigen Werkzeuge für den Kunden – und die richtige Konfiguration zu finden.» Sprich: In den mittlerweile unendlichen Weiten der Software-Landschaft die richtigen Programme so zusammenzustellen, dass der Kunde auch tatsächlich das erhält, was er braucht. «Damit wir dies erreichen können, ist es für uns wichtig, lange und eng mit Kunden zusammenzuarbeiten», sagt Christoph Fankhauser.

Steter Wandel

Bezogen auf das Personal heisst das, dass nicht nur Programmierer im Dienst der Nexplore AG stehen, die neue Software bauen, sondern Angestellte, welche zusammen mit dem Kunden seine Bedürfnisse ergründen – und dann die digitalen Werkzeuge so konfigurieren, dass sie ebendiese Bedürfnisse auch wirklich abdecken. «Anders als früher entwickeln wir heute viel agiler», sagt Christoph Fankhauser. Anstatt dass alle fünf Jahre ein grosses Software-Update ausgeliefert wird, werden heute laufend Anpassungen geliefert, um neue Anforderungen abzudecken. «Das bedingt die Bereitschaft, in einem Umfeld zu arbeiten, das sich ständig wandelt – was nicht für alle einfach ist und für uns eine zweite grosse Herausforderung darstellt», sagt Stefan von Niederhäusern.

Einem steten Wandel unterliegen freilich nicht nur Computerprogramme, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes. Wo früher eine Fünftagewoche mit Präsenzen im Büro von 8 bis 17 Uhr die Regel war, gibt es heute immer weniger zeitliche und örtliche Limiten, wo jemand seine Arbeit verrichten kann. «Wichtig ist, dass sich Mitarbeiter und Firma wohlfühlen und dass die Aufgaben so erledigt werden, dass alle zufrieden sind», sagt Christoph Fankhauser – und meint damit ebenso Nexplore-Kunden wie die eigene Firma. «Diese Möglichkeiten zu schaffen, ist eines unserer zentralen Anliegen.» Darum biete Nexplore «modernste Lösungen für den digitalen Arbeitsplatz, mit denen Benutzer einen einfachen, ortsunabhängigen Zugriff auf alle notwendigen Informationen haben und Firmen sicher sind, dass ihre Daten nicht in den Weiten des Internets verschwinden».

Bei aller Euphorie für neue Arbeitszeit- und Organisationsmodelle sagt aber auch Christoph Fankhauser: «Dezentral heisst nicht ohne Zentrale. Zusammen arbeiten in einem Raum, an einem Tisch, das ist auch heute noch enorm wichtig.» Oder anders gesagt: «Ein zeitgemässer Arbeitsplatz ist einer, der beides ermöglicht: das Arbeiten im fixen Büro – oder irgendwo auf der Welt.»

Open Air Oberhofen

Die Nexplore AG feiert ihr 20-jähriges Bestehen mit einem Openair im StrandbadOberhofen. Am Freitag treten Halunke, Streuguet und Josua Romano auf. Das Openair ist öffentlich – die Organisatoren rechnen damit, dass das Gelände mit 450 Gästen ausgebucht ist. Tickets können unter www.tipo.ch/strandbadfestival bestellt werden. Ideen wie dieses Festival sind wohl mit ein Grund, dass Arbeitgeber-Bewertungsplattform Xing/kununu Nexplore 2018 zum besten Arbeitgeber der Schweiz auserkoren hat. (maz)

Serie

In einer losen Serie beleuchtet diese Zeitung Alltagsaspekte der Digitalisierung. Wir zeigen, dass sie nicht nur im fernen Silicon Valley stattfindet, sondern mitten unter uns. Wir stellen verschiedene Lebensbereiche vor, Herausforderungen und Chancen des technischen Wandels. Gleichzeitig zeigt die Serie auf, wie Firmen aus der Region Thun national und international in verschiedensten Lebensbereichen den technologischen Fortschritt mitprägen. (TT)

Quelle: Thuner Tagblatt

Donnerstag, 20. Juni 2019 06:00 von Marco Zysset, (Thuner Tagblatt)

https://www.thunertagblatt.ch/story/27095566

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