Teilen

24. Februar 2026

Fähigkeiten statt Tools: Warum Digitalisierung oft am falschen Hebel ansetzt

Hand aufs Herz: Wie viele Tools habt ihr in den letzten drei Jahren eingeführt? Und wie viele davon haben wirklich etwas verändert – nicht nur digitalisiert, sondern transformiert? Die IT-Budgets steigen. Die Projektlisten werden länger. Neue Software wird ausgerollt, Schulungen durchgeführt, Change-Kommunikation verschickt. Und trotzdem bleibt bei vielen das Gefühl: Wir tun viel – aber bewegen wir uns wirklich vorwärts?

Das Tool-Paradox

Digitalisierung verspricht Effizienz. In der Realität sehen wir oft anderes: Das Urlaubsformular ist jetzt digital, aber der Prozess dahinter genauso umständlich. Teams ist eingeführt, aber die Meetings dauern gleich lang. SharePoint steht bereit, aber niemand findet etwas.

Wir haben digitalisiert. Aber haben wir transformiert?

Die unbequeme Wahrheit: Mehr Tools schaffen nicht automatisch mehr Wirkung. Sie machen oft nur sichtbar, was vorher schon nicht funktioniert hat. Unklare Zuständigkeiten. Silodenken. Fehlende Prozesslogik. Historisch gewachsene Abläufe, die niemand mehr hinterfragt. Ein QR-Code auf dem Bundesordner macht ihn nicht moderner, nur digitaler.

Fünf Muster, die wir immer wieder sehen

In unseren Projekten begegnen uns dieselben Herausforderungen, branchenübergreifend:

Organisationen wissen, dass sie sich digital weiterentwickeln müssen, aber nicht, wo sie anfangen sollen. Die IT-Landschaft ist über Jahre gewachsen, blockiert Innovation und fördert Schatten-IT. Prozesse sind ineffizient und fehleranfällig, weil sie nie grundlegend überdacht wurden. Mitarbeitende wehren sich gegen Veränderungen, nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Überforderung. Und die Datenlage? Unstrukturiert, verstreut, untauglich für fundierte Entscheide, geschweige denn für KI-Anwendungen.

Das Problem liegt selten an der Technologie. Sondern daran, dass niemand die Frage stellt: Welche Fähigkeiten brauchen wir eigentlich?

Von Tools zu Fähigkeiten: Der Perspektivwechsel

Hier setzt das Konzept der Capability Maps an. Statt auf einzelne Tools zu fokussieren, richten sie den Blick auf das, was ein Unternehmen leisten kann: seine Fähigkeiten.

Capabilities beschreiben stabile Funktionen einer Organisation. Sie verbinden Strategie, Prozesse, Menschen und Technologie. Anders als Projekte sind sie bereichsübergreifend und entwickelbar. Und: Sie überleben den nächsten Tool-Wechsel, weil sie das «Was» definieren, nicht das «Womit».

Eine Capability Map visualisiert diese Fähigkeiten: von strategischen Kernkompetenzen über operative Prozesse bis zu unterstützenden Funktionen. Sie schafft ein gemeinsames Vokabular, für IT und Business, für Geschäftsleitung und Fachbereich.

Was bringt das konkret?

  1. Capability Maps schaffen die Grundlage für eine IT-Strategie, die am Business ausgerichtet ist, nicht an Feature-Listen. Sie zeigen, wo Investitionen wirken und wo sie verpuffen.

  2. Capability Maps ermöglichen strategische Steuerung ohne Detailverliebtheit. Die Frage lautet nicht «SAP oder Abacus?», sondern: Haben wir die Fähigkeit zur integrierten Unternehmenssteuerung?

  3. Capability Maps machen sichtbar, welche Fähigkeiten teamübergreifend gebraucht werden, und wo Silos aufgebrochen werden müssen. Endlich eine gemeinsame Sprache zwischen Vertrieb, Marketing und IT.

Wirkung entsteht durch Menschen

Technologie allein transformiert nichts. Transformation gelingt, wenn Menschen bereit sind, sich einzubringen und Neues mitzugestalten. Fähigkeiten entstehen nicht durch Tool-Einführungen, sondern durch das Zusammenspiel von Organisation, Prozessen und Menschen.

Wer Digitalisierung über Tools steuert, steuert oft am eigentlichen Hebel vorbei. Die wirkungsvollste Frage lautet nicht: «Welche Software brauchen wir?» Sondern: «Welche Fähigkeiten müssen wir entwickeln?»

SwissBoardForum 2026

Vertiefung am 23. Juni 2026 in Bern

Wie lässt sich dieses Denken in die Praxis übersetzen? Wie helfen Capability Maps bei konkreten Entscheidungen? Und wie gelingt der Perspektivwechsel von Tools zu Fähigkeiten?

Diese Fragen stehen im Zentrum der Veranstaltung «Strategische Wirkung entsteht durch Menschen und Fähigkeiten - nicht durch Tools» am 23. Juni 2026, ein Partner-Event von Nexplore und SwissBoardForum.

Daniel Aebersold, Verwaltungsratspräsident der Nexplore AG mit über 30 Jahren Erfahrung in Softwareentwicklung und digitaler Innovation, sowie Sabine Opel, Digitalisierungsberaterin mit Fokus auf Strategie und Transformation, zeigen praxisnah, wie Capability Maps Orientierung schaffen.

Veranstaltungsdetails

📅 Dienstag, 23. Juni 2026, 17:30–20:00 Uhr 📍 Nexplore Bern, Zähringerstrasse 45, 3012 Bern 🎟️ Kostenlos für SwissBoardForum-Mitglieder

Zur Anmeldung beim SwissBoardForum

Kein Mitglied? Kontaktiere uns direkt und wir finden eine Lösung.