Michael Schläppi

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16. April 2021

Nimm Platz. Nein Danke!

Vom Einfluss von 25 Jahren sitzender Büroarbeit auf mein körperliches Wohlbefinden und darüber, wie ich mich dagegen sträube, weiter Platz zu nehmen.

Wie alles begann

Rundrücken, Hohlkreuz, ständig verspannter Nacken, Knieschmerzen wegen verkürzter Muskulatur und seit kurzem ein Ex-Nierenstein. Das ist die wenig prickelnde Bilanz nach 25 Jahren sitzender Büroarbeit. Ich fühle mich definitiv älter als ich bin.

«Ja dann bewege dich mehr in der Freizeit!» höre ich? Na ja, es ist ja nicht so, dass ich kein aktiver Mensch wäre. Schon immer mache ich nebenbei Sport. Mindestens 3 Stunden pro Woche. Die Liste der sportlichen Aktivitäten in den letzten 25 Jahren ist lang – denn ich bin vielseitig. Es gab sogar experimentelle Abstecher zu Yoga und Tai-Chi für bessere Beweglichkeit und Entspannung. Ich kann mir also keinen Couchpotato-ismus vorwerfen. Die gesamte Zeit war auch immer wieder von Chiropraktik, Physiotherapie, Osteopathie oder Feldenkrais begleitet. Auch hier kein Eigenvorwurf der Untätigkeit. Das ist mir wichtig zu sagen: Ich bin nicht untätig am Jammern. Ich versuchte stets, aktiv zu sein und Lösungen zu finden. Vergeblich.

«Ja dann bewege dich mehr bei der Arbeit! Stehpult, Spaziergänge, Dehnübungen!» höre ich? Na ja, es ist ja nicht so, dass ich das nicht schon ausprobiert hätte. Büro-Yoga, zwischendurch Spaziergänge, der Wechsel zwischen sitzender und stehender Büroarbeit, Pomodoro-Technik mit aktiven Pausen dazwischen – einem guten Freund habe ich sogar den Trick mit dem Achtsamkeits-Punkt abgeschaut: man klebt einen kleinen Neonfarbigen Punkt auf Laptop, Handy, Bildschirm, etc. der einem daran erinnert, sich zu bewegen. Vergeblich. Wenn ich in die Zone komme, im Flow bin, es stressig ist, dann tauche ich morgens in meinen geistigen «Arbeitsfilm» ab und gefühlt nach einer Stunde ist der Tag auch schon vorbei. Ich habe dann die ganze Zeit nie daran gedacht mich zu bewegen, Übungen zu machen oder was auch immer zu tun, um meinem Körper eine Pause von der sitzenden Tätigkeit zu verschaffen. Man kann es drehen und wenden wie man will – man sitzt kumuliert jeden Tag über acht Stunden lang. Punkt.

Der logische Schluss: Ich muss mich WÄHREND der Arbeit bewegen

Und zwar automatisch und ohne, dass ich dafür immer bewusst an etwas denken muss. Neulich sind mir aus meiner FHNW-Forschungszeit Studien in den Sinn gekommen, die Effekt und Praktikabilität von Schreibtisch-Laufbändern untersucht haben. Das wäre doch was! Die Recherche beginnt! Dabei frage ich mich: Wie lange pro Tag muss man das machen für positive Effekte? Kann es auch zu viel sein? Wie schnell sollte die Schrittgeschwindigkeit sein? Barfuss oder mit Schuhen? Welches Produkt? Etc. Antworten sind rar. Ich muss es selbst herausfinden!

Selbstversuch: Ich teste ein Schreibtisch-Laufband

Nach stundenlangem Lesen von Google-Rezensionen ist mir klar: Es muss ein qualitativ hochstehendes, wartungsfreies, leises und leistungsstarkes Laufband sein. Ausserdem soll es auch 10 Stunden Dauerbetrieb unter meinem stattlichen 105 kg Körpergewicht locker wegstecken. Ich finde nur einen einzigen Anbieter in der Schweiz und vereinbare einen Test-Termin. Dort werde ich freundlich empfangen und eingeführt: Die korrekten Höheneinstellungen machen. Sorgfältig beginnen. Nur eine Stunde für das erste Mal. Der Körper muss sich daran gewöhnen. Manchen wird zu Beginn ein bisschen schwindlig. Mir jedoch nicht. Gehen und arbeiten gleichzeitig fühlt sich natürlich an. Es ist kein Problem auf dem Bildschirm zu lesen, während man "wandert". Ich habe Geschwindigkeiten zwischen 1.5 bis 3 km/h ausprobiert. Die richtige Geschwindigkeit ist schnell gefunden. Zu langsam fühlt es sich an, als müsste man auf den nächsten Schritt warten. Zu schnell ist mühsam, weil man sich dann aktiv auf die Schritte konzentrieren muss. Bei 2.3 km/h ging es einfach automatisch, ohne dass ich mich irgendwie geistig darum kümmern musste. Tippen während des Gehens geht klar schlechter als im Sitzen. Aber ist völlig ok. Nach ein paar Minuten habe ich vergessen, dass ich mich bewege. Ich kann mich wie gewohnt gut konzentrieren. Die 60 Minuten testen vergehen im Nu. Ich hatte noch einen Teams-Call mit einem Kunden: Dieser fand es unangenehm, dass ich mich ständig bewegt habe. Vielleicht müsste man bei Calls einfach das Band pausieren. Mal stehen, wenn man sich ansonsten viel bewegt, ist ja völlig ok.

Nach den 60 Minuten habe ich mich leicht und energetisiert gefühlt. Keine Müdigkeit. Vielmehr irgendwie locker. Frei.

Mein Fazit

Ich will so ein Ding haben! Darüber, wie meine Frau die frohe Botschaft aufnimmt, dass ich ein Vermögen für ein bisschen Homeoffice Infrastruktur ausgeben möchte, berichte ich ein andermal.

Nimm Platz! Nein danke, ich bewege mich lieber.

Die Bilder wurden uns von FitOffice – moving people at work zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Mehr Infos rund um die Schreibtisch-Laufbänder erhalten Sie direkt bei FitOffice.